Mißbrauch und Sexualität

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N009

Ich bin Nikolaus, hi

Was ist darf sein
Und was sein darf
Kann sich verändern.
W.B.

Ich bin gerade aufgewacht und plötzlich schien mir alles zusammenzuhängen. Sich etwas wie ein roter Faden durch verschiedene Erlebnisse durchzuziehen und dann ist es ganz logisch.

Der sexuelle Mißbrauch durch meine Mutter, als ich ein Kleinkind war. Ich müßte mitmachen, sonst sterbe ich und später hatte dann ich immer wieder große Angst

wenn es zu Nähe und oder Sexualität mit einem Mädchen einer Frau kam. Meine Erregung war schlagartig weg und ich war entweder nicht mehr in der Lage den "Liebesakt" zu Ende zu bringen oder ich habe versucht durch große Anstrengung es irgendwie zu schaffen.

Das fing mit T. an, da habe ich den Kontakt abgebrochen als ich der gefühlten Erpressung nachgegeben hatte und ihr "Ich liebe Dich" gesagt habe.

Dann mit S., war immer schlagartig jede Erregung weg, wenn sie in die Nähe meines Beckens kam.

Dann mit K. Ich erinnere mich den Satz geäußert zu haben:  "Sexualität ist eine Frage der Konzentration."

Und nach meiner Hochzeit vor 5 Jahren musste ich nachdem wir nach Jahren das erste mal wieder Sexualität hatten in die Klinik, weil in mir ein Schreien war, daß ich nicht beruhigen konnte.

Und bis heute passiert das, das meine Erregung plötzlich weg ist und ich Angst habe.  Und ich dann versuche das aufrecht zu erhalten, auch wenn es nicht geht oder unangenehm ist.

Was für eine Befreiung, daß ich jetzt mehr und mehr darüber reden kann und es selber verstehe und es zunehmend seinen Schrecken verliert.

[ät]inneres Kind
[ät]innerer Jugendlicher
Ich bin da. Es tut mir leid, daß körperliche Nähe für Dich so schwer war und teilweise noch ist.

[ät]liebevoller Elternteil
Ich bin da. Ich weiß, wie lange und hart der Weg für Dich war und noch ist. Du möchtest das mit Deiner Therapeutin Frau P. noch besprechen und da ist auch Angst. Es ist gut, daß Du an verschiedener Stelle darüber teilst. Du schaffst das. Ich bin stolz auf Dich.

[ät]höhere Macht
Begleite mich weiter. Mir ist das nach wie vor zu beängstigend.

Danke.
PN gerne
Nikolaus

Andreas

Hallo lieber Nikolaus,

tut mir leid, dass Du so viel tragen musst. 
Bei meiner Mutter gab es immer nur die "Kein-Sexualität". Alles, was auch nur im weitesten Sinn nach Sexualität aussah, musste zunichte gemacht werden. Bei meiner Mutter war unglaublich sehr viel "Sex" im Alltagsleben. Und Sex war schlimm. Sie und mein Vater haben Sexualität zusammen nie genossen. Meine Mutter hat den Sex nur erlitten. - Schade. Ich wusste nicht, was Sexualität war. Zum Glück konnten meine erste Freundin und ich es zusammen ausprobieren. Es war schön. Die Weitsicht, das Reflektieren und die Weisheit haben meinen beiden Eltern gefehlt. Das ist wohl typisch in einer dysfunktionalen Familie. "Schön" und "Genuss" gab es nicht und durfte es auch nicht geben. Es wurde ihm der Garaus gemacht. Statt dessen gab es von ihrer Seite die Verdrehung der Realität, Verleugnung und dadurch sehr viel Schmerz, den sie mir dann auch übergestülpt haben. Es war allerdings ihr Schmerz und nicht mein Schmerz.
Ich wünsche Dir viel Kraft auf Deinem Weg!

Liebe Grüße,  :)

Andreas 

N009

Hallo Andreas,

Danke für Dein Teilen und Beziehen. Ich freue mich darüber. Bei mir waren es die Großeltern, die nach Aussen völlig asexuell waren, richtig Körperfeindlich, moralisch/religiös. Aber mein Vater hat uns erzählt, daß Er (der Großvater) Affären hatte. ... 

Alles Gute
Nikolaus 

onkonk

#3
Hallo Nikolaus,
danke fürs ehrliche teilen. ich lese den schmerz aus deinen Worten aber auch die Hoffnung und selbstmitgefühl.

Es ist nicht zu unterschätzen, was für folgen so ein trauma im Erwachsenenleben hat. ich habe viel schönes zu Sexualität und Sanftheit und weniger Druck in der Auseinandersetzung mit Langsamkeit, Tantra und Sinnlichkeit gefunden.
Auch workshops zum Thema Konsens haben mir sehr viel Kraft und Selbstwirksamkeits-fähigkeiten gegeben, wirklich nur das zu machen, was sich wirklich richtig schön für mich anfühlt - und sonst nichts aus keinem anderen Grund.

Nichts ertragen oder über mich ergehen lassen, weil ich denke das macht man so.

Das ist manchmal schwierig wenn man die Tendenz hat zu dissoziieren, nd manchmal auch beängstigend wenn es um meine eigenen Bedürfnisse geht. Aber je öfter man übt und Langsamkeit zulässt um wirklich zu fühlen und sich sicher zu fühlen - desto besser wird's. ich habe inzwischen immer öfter gute Erfahrungen - es gibt aber noch sehr viel mehr zu lernen und zu erfahren, das weiß ich.

liebe grüße und gute 24h!

N009

Danke OnkOnk für Dein Bezug Nehmen
Schön, von Dir zu hören, daß vieles gut geworden ist. 
G24H. Nik